Sonntag, 24. April 2011

Im Spinnennetz der ABB: Recycling von PCB-Trafo-Schrott

Beim Fall Envio in Dortmund werden die Verflechtungen der Industrie überdeutlich. Asea Brown Boveri (ABB) ist Envio-Mutter, Trafo-Hersteller, PCB-Entsorger. 

Der Fall Envio in Dortmund zeigt die schleimpilzartigen Verflechtungen der Industrie auf - hier geht es um ABB.

 

Eine kurze Geschichte der ABB

ABB war bis Ende der 1990er Jahre ein klassischer, global agierender Großkonzern, etwa vergleichbar mit Siemens. Ursprünglich ein Anlagen- und Maschinenbauer, weitete sich das Portfolio immer weiter aus und reichte von Informationstechnologie über Gebäudemanagement bis hin zu Entsorgung. Die ABB AG (Asea Brown Boveri) mit Konzernsitz in Zürich entstand 1989 als Fusion aus der schwedischen ASEA und der schweizerischen Brown Boveri & Cie (BBC). Weltweit hatte sie 2008 112.000 Mitarbeiter, davon etwa 11.000 in Deutschland, der Jahresumsatz betrug 3,7 Milliarden Euro.
In den 1990er Jahren geriet der Konzern in Schwierigkeiten, ab etwa 2000 wurde daher massiv Personal abgebaut. Kerngeschäfte sollten die Automations- und Energietechnik werden - andere Bereiche und Tochtergesellschaften wurden daher ab 2002 abgestoßen.
Roboter abb Mit Robotern von ABB Schneller und präziser produzieren www.abb.de/robotics
Trafos Spezialisiert in Transformatoren und Transformatorstationen. www.horstmann-schwarz.de
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So erging es auch dem Standort und Betriebsgelände am Dortmunder Hafen in der Kanalstraße 25. Dort führte man seit 1984 einen Entsorgungsbetrieb und seit 1993 einen Betrieb zur Reinigung und Recycling von PCB-belasteten Transformatoren (Trafos): die ABB Environmental Services, Anlagen- und Geräteentsorgung, PCB-Entsorgung, Umweltschutz und Abfallreduzierung.

 

Von Monsanto über RWE bis Georgsmarienhütte

Dabei werden die PCB-Altöle isoliert, die gereinigten Trafo-Bleche dann als Schrott weiterverkauft. BBC und später ABB hatten dies als lukrative Geschäftsfelder ausgemacht. Die Abteilung PCB-Reinigung und Trafo-Recycling wird zur Envio-Tochter, die Aufbereitung von unbelasteten Trafos zur TSW.
Das Thema PCB-Recycling bringt alles hoch, was Rang und Namen hat: Hersteller von PCB waren Bayer und Monsanto. ABB war und ist einer der größten Transformatoren-Hersteller der Welt. Trafos werden im stark durch die Politik durchsetzten Bergbau (RAG) und den Energieriesen (zum Beispiel RWE) benutzt - die alten PCB-belasteten müssen nun besonders entsorgt werden. Das beim Recycling isolierte PCB-Gemisch wird in Sondermülldeponien Untertage gelagert oder in speziellen Müllverbrennungsanlagen verbrannt, zum Beispiel bei der Currenta, einem Joint-Venture zwischen Bayer und Lanxess und Betreiber der Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld. Der Trafo-Schrott ist wertvolles Metall, das die Stahlhersteller wie die Georgsmarienhütte und Thyssen Krupp dringend benötigen.
Und mittendrin die unschuldige Kanalstraße 25 in Dortmund, seit 2007 ganz allein, ohne Konzernunterstützung, denn ABB hatte den Standort aufgegeben und das Geschäft dort verkauft. Über den Standort und seine drei ABB-Nachfolgefirmen brechen daher der PCB-Skandal und die Nachricht erhöhter PCB-Werte völlig unvorbereitet herein.