Sonntag, 6. Juni 2010

PCB: Recycling und Entsorgung durch Zerstörung oder Lagerung

Giftstoff-Entsorgung: Wie alle schwer abbaubaren und hochgiftigen Stoffe müssen PCBs, Dioxine und Furane, chemisch zerstört oder dauergelagert werden.

PCBs wurden wegen ihrer nützlichen Eigenschaften (kaum brennbar und so weiter) in vielen Baustoffen und technischen Anlagen und Geräten verwendet. Häufig sind die PCB-haltigen Industrieanlagen immer noch im Einsatz, werden jetzt verschrottet oder recycelt, und die Baustoffe befinden sich noch in den Gebäuden, so dass PCB auch heute noch gesundheitsschädlich wirken kann.

 

PCB: Gefährliche Sanierung und illegale Entsorgung

Wie unbedarft man auch noch 2002/3 mit PCB umging, zeigt das Beispiel des Städtischen Gymnasiums in Bergkamen, bei dem nach Aussagen von zwei ehemaligen Schülern die PCB-Sanierung im laufenden Unterrichtsbetrieb durchgeführt wurde, obwohl die zulässigen PCB-Werte um das 2.000-fache überschritten wurden. Unter den Lehrern des Städtischen Gymnasiums in Bergkamen soll es ihren Angaben zufolge überdurchschnittlich viele Krebserkrankungen geben.
Ein aktuelles Beispiel 2010 ist der Fall des Umweltskandals im Dortmunder Hafen, wo - verursacht wahrscheinlich über die illegale PCB-Entsorgung durch eine oder mehrere Recyclingfirmen (verdächtig ist der PCB-Spezialverwerter Envio) - massiv erhöhte PCB-Konzentrationen in Pflanzen und Gemüse sowie der Luft festgestellt wurde.

 

Recycling und Entsorgung von PCB

Viele der Anwendungen, in denen PCBs bis in die 1980er Jahre hinein verwendet wurden, sind sehr langlebig, so industriell genutzte Transformatoren und Leistungskondensatoren, so dass zumindest in den nächsten Jahren in Deutschland und weltweit sicherlich noch bis ins Jahr 2025 (als Zielvorgabe des Stockholmer Abkommens) die Außerbetriebnahme PCB-haltiger Industrieanlagen und die Entsorgung von Kabelisolatoren und PCB-haltiger Abfälle große Bedeutung haben wird. Ein großes Problem für die Entsorgung stellt die Tatsache dar, das PCBs über eine große Anwendungsbandbreite verfügen und die Produkte in der Regel nicht gekennzeichnet sind.
Bei einer nicht ordnungsgemäßen Entsorgung stellen solche Geräte eine so genante "diffuse Quelle für Verunreinigungen durch PCBs" und - wenn sie einfach verbrannt werden - auch von polychlorierten Dioxinen und Furanen dar. Nicht ordnungsgemäß sind beispielsweise achtlose Entsorgungen durch Privathaushalte oder die des Dortmunder Recyclingunternehmens Envio AG. Aber auch das Verbleiben von großen Anlagen "Untertage" ist eine übliche Vorgehensweise beim Bergbau, wie eigene Recherchen ergaben: Wenn es sich bei Aufgabe eines Schachtes, Strebs oder Stollens wirtschaftlich nicht lohnt, eine Anlage nach Übertage zu schaffen, werden sie einfach "dort unten" gelassen und bei Verfüllung zugeschüttet. Im Bergbau sind Leckagen mit Austreten großer Mengen PCB-haltiger Hydraulikflüssigkeiten an der Tagesordnung. All dies bildet aber heute oder in Zukunft Quellen für erhöhte PCB-Konzentrationen.

 

Richtlinien für die PCB-Entsorgung

Das Stockholmer Übereinkommen von 2001 fordert von der Entsorgung POP-haltiger, also auch PCB enthaltender Abfälle, entweder eine Zerstörung oder Umwandlung der Schadstoffe. Der Zerstörungsgrad (Destruction Efficiency) sollte so nahe wie möglich bei 100 Prozent liegen. Falls eine Zerstörung nicht möglich ist, gibt es die Möglichkeit einer umweltgerechten Entsorgung.
Die Europäische Union lässt seit 1996 vier Beseitigungsverfahren für PCB-haltige Abfälle zu:
  • D 8 (biologische Behandlung),
  • D 9 (chemisch-physikalische Behandlung),
  • D 10 (Verbrennung an Land),
  • D 12 (Dauerlagerung, nur sichere und tiefe unterirdische Lagerung in Trockengesteinsformationen und nur für nicht dekontaminierbare Geräte, die PCB und PCB-Abfall enthalten)

 

PCB-Entsorgung: Lagerung oder Verbrennung

Die biologische Behandlung spielt bisher bei der Entsorgung PCB-haltiger Abfälle keine Rolle. Gängig sind dagegen laut Umweltbundesamt Verbrennung und verschiedene physikalisch-chemische Verfahren, so Hydrierungen, Umsetzungen mit alkalischen Substanzen und so weiter.
Bei der Verbrennung PCB-haltiger Abfälle entstehen schädliche Chlorwasserstoffe im Abgas, und sie birgt das Risiko der Bildung von Dioxinen und Furanen, welches allerdings durch die Einhaltung von bestimmten Vorgaben bezüglich Temperatur oder Sauerstoffgehalt beim Verbrennungsprozess minimiert werden kann. Trotzdem lehnen einige Staaten und Umweltorganisationen die Verbrennung PCB-haltiger Abfälle deshalb ab.
In Deutschland werden flüssige PCB-Abfälle meist in Sonderabfallverbrennungsanlagen oder Zementwerken verbrannt. Feste PCB-haltige Abfälle werden in Untertagedeponien dauergelagert. Obwohl Technologien zur Reinigung PCB-kontaminierter Metallteile von Transformatoren angewendet werden (so zum Beispiel ja auch vom Dortmunder Verwerter Envio), werden sie oft in Untertagedeponien gelagert.